Aus der Werkstatt

Labor-Diamant oder Naturstein: was am Ende wirklich zählt

Angebotsschub schreibt hier auf, was uns bei der Arbeit an Ringen und Steinen wirklich auffällt. Keine Katalogtexte, sondern das, was wir in der Beratung sagen, wenn die Tür zu ist und niemand etwas verkaufen muss.

Die Frage kommt in fast jeder Beratung, meistens so: Ist ein Labor-Diamant ein echter Diamant? Chemisch ja. Beide bestehen aus Kohlenstoff, beide haben die gleiche Härte von zehn auf der Mohs-Skala, beide brechen das Licht gleich. Mit dem Mikroskop sehen Sie Unterschiede, mit dem Auge nicht. Wer also nach Reinheit und Größe geht und nicht nach Herkunft, bekommt beim Laborstein für dasselbe Budget einen deutlich größeren und saubereren Stein. Bei gleicher Qualitätsstufe liegt der Labor-Diamant nach unserer Preisliste etwa vierzig bis sechzig Prozent unter dem Naturstein. Der Unterschied entsteht nicht beim Ansehen, sondern beim Verkaufen. Natursteine haben einen Markt mit notierten Preisen, Laborsteine haben das kaum. Wenn Sie den Ring in zwanzig Jahren veräußern wollen, bekommen Sie für den Naturstein einen Teil des Geldes zurück, beim Laborstein meist nur einen kleinen Bruchteil. Unser Rat daraus ist schlicht: Wollen Sie den Stein tragen, keinen Gedanken an Wiederverkauf verschwenden und ein knappes Budget möglichst groß ausreizen, nehmen Sie den Laborstein. Ist es Ihnen wichtig, dass der Stein geologisch gewachsen ist, oder rechnen Sie mit einer späteren Erbregelung, nehmen Sie den Naturstein. Farbige Steine spielen nach einer anderen Logik. Ein Saphir aus Ceylon hat eine Wärme, die ein gezüchteter Stein selten trifft, und die Farbverläufe lassen sich nicht vollständig kopieren. Bei Smaragd ist es umgekehrt: Natursteine sind fast immer behandelt, gezüchtete sind sauber und billiger, wirken aber sehr gleichmäßig. Wir legen in der Beratung beide Varianten nebeneinander unter dieselbe Lampe und lassen Sie entscheiden, ohne Verkaufsdruck. Was am Finger bleibt, überrascht die Leute oft selbst.
Marlene Ostermann

Geschrieben von

Marlene Ostermann

Goldschmiedemeisterin und Inhaberin von Angebotsschub. Sie setzt seit 2011 Steine in München und führt die Beratung für Verlobungs- und Trauringe persönlich.

Thema passt, aber Sie wollen es konkret sehen?

Buchen Sie einen Termin im Atelier an der Werner-von-Siemens-Straße. Dort legen wir Materialien und Steine auf den Tisch und Sie entscheiden mit eigenen Augen.